Wenn man so durch die Ernährungs- und Abnehmseiten dieser Welt schlendert, begegnen einem manchmal skurrile Sachen. Ja, klar. Viele Menschen suchen einen „Quick Fix“, eine Pille, die sie von Zauberhand abnehmen lässt, ohne, dass sie etwas selbst an ihrem Leben verändern müssen. Das Problem dabei? Das geht nicht. Es gibt einen schönen Spruch, der mich am Anfang motiviert hat, Dinge zu verändern:

Wenn du isst, was du schon immer gegessen hast, wirst du wiegen, was du immer gewogen hast.

Und kaum etwas anderes passiert, nachdem wir aufgehört haben, Diätshakes zu trinken. Dabei ist es unmöglich einfach weiter zu machen wie bisher und zu glauben, dass sich trotzdem etwas dauerhaft ändert. Es ist auch fast ein bisschen naiv zu glauben, dass es diese Pille gibt, die uns die Arbeit abnimmt. Es gab ja auch nicht die eine Pille, die dich zunehmen lassen hat (abgesehen von einigen Medikamenten, die diese Wirkung haben).

Trotzdem sind da draußen eine ganze Menge Angebote, die das vermitteln. Die Industrie der Diätshakes und –pillen setzt jedes Jahr Milliarden um. Auch Ärzte geben ihren Namen immer wieder für absatzfördernde Interviews her.

Das ärgert mich am meisten, denn was ist das Ergebnis davon? Die Übergewichtsraten steigen; die Zivilisationskrankheiten nehmen zu. Besonders Eiweißshakes haben in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen. Innerhalb weniger Wochen soll man durch sie dem Wunschgewicht ein ganzes Stück näher sein. Aber was spricht eigentlich dagegen, mit Almased und Co. abzunehmen? Wir haben 5 Gründe gesucht und schnell gefunden. Los geht’s.

Eiweißshakes sind ein Mahlzeitenersatz – keine Mahlzeit

Dazu gibt es nicht mehr zu sagen. Eiweißshakes sind ein Mahlzeitenersatz, sie sind keine vollwertige Mahlzeit. Wenn du dich für 8 oder gar 12 Wochen zugunsten eines Mahlzeitenersatzes auf echte Mahlzeiten verzichtest, verschenkst du 12 Wochen, in denen du lernen könntest, wie deine Mahlzeiten tatsächlich aussehen sollten, damit du langfristig fit, satt und schlank bleibst. 12 Wochen! Das ist fast ein ganzes Semester. In dieser Zeit kann man wirklich viel lernen! Und hier geht es ja „nur“ um dein Essen. Man kann in dieser Zeit nicht nur lernen, welche Lebensmittel man bevorzugen sollte, sondern auch, wie man sich selbst motiviert dabei zu bleiben, sich realistische Ziele setzt und sie auch zuverlässig erreicht. In 12 Wochen kann man sogar ein bisschen kochen lernen, wenn man das noch nicht kann.

Der Vorteil: die Kilos krabbeln nach 12 Wochen nicht wieder auf die Hüften, sondern bleiben dauerhaft weg. Denn nur eine Verhaltensänderung hilft langfristig schlank zu bleiben.

Kalorien sind nicht das Problem – Nährstoffe schon

„Pro Portion werden 50g Almased Vitalkost zusammen mit Wasser und 2 Teelöffeln eines hochwertigen Pflanzenöls empfohlen. Ein Almased Shake hat somit nur 230 Kalorien – und das bei ganzen 26,7 g Eiweiß und nur 7 g Fett!“ schreibt eine Infoseite zu einem der umsatzstärksten Shakes.

Das Argument, mit dem die herstellende Industrie wirbt ist eingängig und scheint jedem logisch. Der Eiweißshake hat viel weniger Kalorien als eine richtige Mahlzeit. Und trotzdem ist man satt.

Was so schön einfach klingt, hat einen wesentlichen Haken: Das Problem sind nicht die Kalorien, sondern die Lebensmittel, die die Kalorien enthalten. So hat ein Steak mit Fett eine gänzlich andere Sättigungswirkung als ein süßes Teilchen vom Bäcker – selbst wenn sie die gleiche Kalorienzahl haben. Der Grund dafür ist die hormonelle Reaktion, die unterschiedliche Makronährstoffe in unserem Körper auslösen und auch die Sättigungssignale, die die einzelnen Lebensmittel an unser Gehirn senden.

Natürlich müssen wir weniger Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen, um abzunehmen. Wir müssen das bei einer vernünftigen und natürlichen Nahrungsauswahl aber keinesfalls bewusst steuern, sondern der Körper reguliert das über komplexe Hormonkreisläufe, Hunger- und Appetitsignale selbst. Das funktioniert aber nur, wenn wir ihm die richtigen Nährstoffe zuführen, damit er keine sinnlosen Gelüste entwickelt.

Die Voraussetzung für das Funktionieren dieser Signale ist, dass wir echtes Essen zu uns nehmen und nicht das, was Menschen mit Haarnetzen in weiß gefliesten Fabriken ohne Fenster herstellen.

Lies hier mehr: Warum Kalorien zählen nicht funktioniert

Industrielle Shakes enthalten viel zu viel Zucker

Hast du dich schon mal gefragt, warum das Zeug so gut schmeckt? Genau, weil irgendetwas darin ist, das unsere Geschmackssinne vor Freude tanzen lässt. Schauen wir mal, was das sein könnte.

Oben genannter Eiweißshake enthält:

„26,7 Gramm Eiweiß, 15,3 Gramm Kohlenhydrate, 7 Gramm Fette (davon 0,5 Gramm gesättigte Fettsäuren) und 0,2 Gramm Ballaststoffe. Zusätzlich noch viele Vitamine und Nährstoffe wie Vitamin A, Vitamin B, Biotin, Folsäure, Magnesium, Zink und viele weitere“

Übeltäter entdeckt? Genau. Diät-Shakes müssen nach den Richtlinien der Deutschen Diätverordnung zusammengestellt werden. Das bedeutet, dass sie zu über 50% aus Kohlenhydraten bestehen müssen. Da der Shake keine Ballaststoffe enthält, sind die Kohlenhydrate natürlich alle verwertbar, das heißt, es sind überwiegend einfache Kohlenhydrate, sprich Zucker. Und damit wirbt das Unternehmen auch. Denn der Shake besteht aus Soja-Protein, Joghurt und Honig. Honig und Milchzucker aus Joghurt = 50% Kohlenhydrate = 50% Zucker.

Die Alternative als Geschmacksträger wäre Fett, aber das ist nach der Diätverordnung natürlich nicht erlaubt.

Warum das ein Problem ist? Lies hier mehr darüber, wie Heißhunger entsteht.

Viele Diät-Shakes basieren auf Sojaprotein

„Die Hauptbestandteile von Almased sind Sojaprotein, Joghurt und Honig, wobei das hochwertige Sojaeiweiß die Hälfte der Zusammensetzung ausmacht. Durch die hohe Konzentration der Eiweißstoffe enthält Almased weitaus mehr Eiweiß als natürliche Lebensmittel. Das ist deshalb essentiell, weil Eiweiß als Muskeltreibstoff gilt und diese aufbaut bzw. erhält, während es hilft, Fett abzubauen. Eiweiß hält außerdem besonders lange satt.“

Ja, sicher hält Eiweiß satt und es ist auch sinnvoll in der Abnehmphase etwas mehr Eiweiß zu essen als in der Erhaltungszeit nach dem Abnehmen. Es ist aber nicht sinnvoll Lebensmittel zu essen, die besonders viel Eiweiß enthalten – vor allem nicht mehr als natürliche Lebensmittel. Die Natur hat sich bei der Zusammenstellung der Makronährstoffe in den uns zur Verfügung stehenden Lebensmitteln etwas gedacht. Der Mensch macht das nur selten (oder nie) besser. Auch hier geht es um ein Extrakt bei dem wir die Einbettung eines Nährstoffes in sein natürliches Umfeld völlig ignorieren – unabhängig davon, dass Soja kein sinnvolles Lebensmittel für uns Menschen ist. (Zudem ist zu bedenken, dass der Sojaanbau unter Umständen auch ein ökologisches Problem darstellt. Das in Shakes verwendete Soja stammt ja eher nicht aus bayrischem ökologischen Anbau.)

Sparen mit Almased? Fehlanzeige!

„Eine Dose Almased kostet ungefähr 16 Euro – je nachdem, wo man sie kauft – und beinhaltet die Menge Vitalkostpulver, die für etwa 10 Mahlzeiten benötigt wird. In der Startphase, in der man drei Diät-Shakes pro Tag zu sich nimmt, hält eine Dose daher etwa 3 Tage. Im weiteren Diätverlauf reduziert sich die Anzahl der Almased Shakes pro Tag, sodass man mindestens 5 Tage mit einer Dose Almased auskommt.“

Ein Mahlzeitenersatz kostet also 1,60EUR. Überlegen wir mal kurz, was wir dafür so ungefähr bekommen (Preise laut Bundeslandwirtschaftsministerium KW 47/2015):

  • 2 Köpfe Kohl, egal welcher Art = mindestens 6 vollwertige Mahlzeiten
  • 500g Tomaten
  • 1kg Birnen oder Äpfel
  • ½ Dorade
  • 1kg Kiwis
  • 1,5kg Orangen
  • 1kg Blumenkohl
  • 1kg Möhren
  • 1kg Rosenkohl
  • 1,5 kg Quark!!!  – und der hat letztlich in Sachen Sättigung genau den gleichen Effekt wie ein Eiweiß-Shake. Von mir aus kannst du da auch noch etwas Honig, Zimt, Kakao und Beeren einrühren…

Wer echte Lebensmittel selbst zubereitet, kommt immer günstiger als mit Fertiglebensmitteln oder Industrieprodukten. Und er hat einen entscheidenden Vorteil: er nimmt ab, ohne zu hungern – und zwar auf Dauer.