Glaubt mir, ich weiß wie das ist. Man ändert sein Leben nicht von heute auf morgen und der Wunsch diesmal wirklich abzunehmen ist riesig. Jetzt muss es doch klappen. Aber klappt das wirklich, was die Leute da erzählen? Kann man mit Low-Carb wirklich abnehmen? 80 kg in 2 Jahren? Oder 12kg in 4 Monaten? Wenn das so schnell geht, wie alle immer behaupten, dann muss ich doch in 7 Tagen schon was auf der Waage sehen. Oder wenigstens in 14 Tagen. 600g! Juhu! Schon 2 Wochen um!

Besser ich stell mich jeden Morgen auf die Waage, dann weiß ich es ganz genau, ob das wirklich geht. Und ich motivier mich selbst weiter zu machen mit dieser Umstellung. Denn nur, wenn das wirklich so schnell geht, wie alle behaupten, dann, ja dann mach ich weiter. Sonst hör‘ ich sofort auf gesund zu essen und bestell mir heute Mittag eine große Pizza beim Italiener.

Wirklich? Nein. Natürlich nicht. Ich nicht. Ich stell mich auch nicht auf die Waage. Weder jeden Morgen, noch jeden Monat. Denn meine Waage sagt mir nichts, was ich nicht auch so schon wüsste. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen die Waage Waage sein zu lassen und sie nicht zu benutzen, die ständig kreisenden Gedanken um Grammangaben auf der Waage zu vergessen. Es ist nicht einfach das zu verstehen, vor allem, wenn der Wunsch abzunehmen so groß ist – aber man kann es lernen und ich bin sicher, dass es hilft Zahlen jeglicher Art hinter sich zu lassen.

Hier sind drei meiner wichtigsten Gründe, warum es auch dir hilft deine Waage wegzuwerfen und entspannter an dein Gewicht heran zu gehen.

Dein Gewicht sagt nichts über die Zusammensetzung deines Körpers

Auch wenn Waagen heute ziemlich genau sind, können sie nicht zwischen Wasser, Muskeln und Fett in deinem Körper unterscheiden. Das gilt auch für die beliebten Körperfettwaagen. Sie geben höchstens einen Anhaltspunkt, sind aber nicht als absolutes Non-Plus-Ultra zu verstehen. Auch Wasser sehen wir nicht auf der Waage und trotzdem ist es einer der wichtigsten Variablen, wenn es um das präzise Messen von Gewicht geht, denn der menschliche Körper kann seinen Wasserhaushalt nicht präzise regulieren.

Wenn ein 70kg schwerer Mensch im Durchschnitt 42 Liter Wasser mit sich herumträgt, dann ist das nur ein Durchschnittswert. Den Körper interessiert es nicht, ob es nun 41 oder 43 Liter sind. Bei 41 Liter bekommt er Durst, bei 43 Liter muss er vielleicht etwas öfter aufs stille Örtchen. Auf der Waage können diese 2 Liter aber im Verlauf eines Tages 2kg Unterschied ausmachen und deinen vermeintlichen Erfolg komplett ruinieren.

Angenommen dein Ziel wäre es ein Kaloriendefizit von 500kcal zu erzielen und du könntest damit jede Woche 500g abnehmen. Der oben genannte Zusammenhang könnte deine Erfolge von 4 Wochen exzellenter Ernährung ohne weiteres maskieren. So kommen auch einige Plateaus zustande, die sich ganz plötzlich in Luft auflösen. Wir können die Speicherung von Wasser in unserem Körper schlicht nicht vorhersagen. Besonders Frauen lagern vor und während ihrer Periode zusätzlich Wasser ein, das die gewünschten Ergebnisse auf der Waage für bis zu zwei Wochen im Monat vollkommen verfälschen kann.

Vor allem zu Beginn der Ernährungsumstellung auf Low-Carb geht es sehr schnell, dass Wasser aus dem Körper freigesetzt wird und dadurch die Ergebnisse auf der Waage beeindrucken. Einer der wesentlichen Gründe dafür ist, dass unsere Niere bei der Umstellung auf eine Low-Carb Ernährung beginnt Salz in Kombination mit gebundenem Wasser, freizusetzen. Das ist grundsätzlich eine gute Sache und sieht hübsch aus auf der Waage. Es funktioniert aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Denn wenn der Wasserverlust, der damit einhergeht, deinen Blutkreislauf beeinträchtigt, kommt es zu Schwindelgefühlen, Schwäche, Müdigkeit etc. Bei diesen Symptomen brechen die meisten Menschen dann ab und resümieren: Low-Carb funktioniert für mich nicht. Dabei sind diese Problemchen mit ein bisschen mehr Salz in der Ernährung ganz leicht zu beheben. Ein ganzes bisschen mehr Salz um genau zu sein: 5g am Tag sollten es sein.

Das ist übrigens der Grund, warum wir in unserem Programm eine Tasse Knochenbrühe am Tag empfehlen. Schlicht, um den Salzhaushalt wieder auszugleichen. (Alternativ kannst du auch ein Glas Wasser mit etwas Meersalz trinken.)

Trotzdem: Die Wassereinlagerungen in deinem Körper kannst du nicht beeinflussen.

Dein Gewicht sagt nichts über deine Gesundheit

Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Wir können unser Traumgewicht haben und vollkommen ungesund sein, wir können auch 8kg mehr wiegen und unsere gesundheitlichen Probleme im Griff haben. Ich bin momentan 6kg (heute Morgen extra gemessen) von meinem „Traumgewicht“ weg, aber habe endlich keine Hautausschläge mehr, schlafe gut und fühle mich fit. Meine Gesundheit ist heute wesentlich besser als das mit 6kg weniger der Fall war. Meine Hosen passen übrigens trotz der 6kg auf der Waage genauso gut. Mir ist meine Gesundheit wichtiger als die Zahl auf der Waage und dir sollte sie das auch sein.

Merke: Du kannst schwer und gesund sein und das ist wesentlich wünschenswerter als leicht und krank.

Stress führt zu mehr Gewicht

Dieses Thema kann ich nicht genug betonen. Immer und immer wieder. Wenn unser Körper im Stressmodus fährt, dann bleibt ihm nichts anderes übrig als Reserven anzulegen von denen er zehren kann. Stress kann emotionaler Natur sein, aber auch falscher Ehrgeiz, selbst gemachter Druck und Beziehungsprobleme sind Höchststress. Auch bei Stress lagern wir zusätzlich Wasser ein und wir verändern unsere hormonellen Regelkreisläufe in einer Art und Weise, die verhindern kann, dass wir weiter Gewicht verlieren können. Unser Körper fährt im Stress eine Vielzahl von Funktionen runter. Darunter auch unseren Stoffwechsel, der ungleich langsamer wird, je mehr Stress wir haben. Er gibt volle Kraft in die Stressreaktion, kümmert sich um einen erhöhten Bedarf an Stresshormonen und hält nur das Nötigste aufrecht, bis der Stress vorbei ist – oder uns der Burn-Out vollständig ausknockt. Während manche Menschen bei kurzzeitigem Stress ihren Appetit und so auch etwas Gewicht verlieren, ist es für die meisten nahezu unmöglich im chronischen Stress abzunehmen. Dabei ist es gänzlich egal, wie die Verteilung unserer Makronährstoffe oder Kalorienzufuhr ist. Auch über diesen Zusammenhang sagt dir die Waage nichts. Im Gegenteil: sie setzt dich und deine Gedanken eher noch mehr unter Druck. Muss das sein?

Merke: Chronischer Stress macht schwer. Egal, was du isst.

Wie kann ich meinen Fortschritt messen?

Ja, aufs Messen wollen wir nicht ganz verzichten, denn irgendetwas brauchen wir, woran wir uns festhalten können. Kauf dir also ein Maßband und miss deinen Bauchumfang an der Taille. Aller 2 Wochen – nicht öfter, eher seltener. Damit erfährst du wesentlich präziser, ob das ungesunde Bauchfett „in der Mitte“ verschwindet und ob du auf dem richtigen Weg bist. Du kannst natürlich auch eine alte Jeans als Maß aller Dinge nehmen. Wenn du da wieder rein passt, ist doch viel erreicht, oder?

 

Wie machst du das? Wiegst du dich noch? Zählst du irgendwas? Ich bin gespannt auf deine Meinung.